Kommissionierung: Wenn Komfort zum Produktivitätsfaktor wird
Der tausendste Scan einer Schicht sieht technisch genauso aus wie der erste. Das Gerät liegt gut in der Hand, die Bewegung sitzt. Nur die Pickrate im Lagerverwaltungssystem zeigt am Nachmittag ein anderes Bild: Sie sinkt, obwohl sich am Prozess nichts geändert hat.

Ein Faktor gerät bei der Prozessoptimierung häufig aus dem Blick: die Menschen, die diese Bewegungen Tag für Tag ausführen. Ihre Leistungsfähigkeit ist keine Konstante – sie schwankt mit der Belastung, die sich über eine Schicht aufbaut. Diese Belastung gilt vielerorts als unvermeidbarer Teil des Jobs – als etwas, das man aushält.
Mehr Produktivität durch Komfort? Klingt widersprüchlich.
Doch was, wenn Produktivität nicht nur durch bessere Technik entsteht? Was, wenn ausgerechnet weniger körperliche Belastung dazu führt, dass Mitarbeiter langfristig leistungsfähiger arbeiten? Dieser Gedanke widerspricht einer Vorstellung, die tief in unserer Arbeitskultur verankert ist.
“Ohne Fleiß keinen Preis” – kaum eine Redewendung beschreibt unser Verständnis von Leistung besser als diese. Wer erfolgreich sein will, muss sich anstrengen. Wer produktiver werden möchte, muss mehr leisten. Auch im Arbeitsalltag schwingt dieser Gedanke häufig mit. Komfort wird schnell mit Bequemlichkeit gleichgesetzt – und Bequemlichkeit selten mit Effizienz.
Komfort ist nicht das Gegenteil von Leistung
Moderne Prozessoptimierung verfolgt ein anderes Ziel: Sie versucht nicht, Arbeit möglichst bequem zu machen. Sie versucht, unnötige Belastungen zu reduzieren. Denn jede Bewegung, die keine Wertschöpfung bringt, kostet Energie.
Schnellere Systeme und kürzere Laufwege sind ein Teil davon. Ebenso entscheidend ist, ob Mitarbeiter ihre Leistung über eine gesamte Schicht hinweg zuverlässig abrufen können – etwa, weil leichte, direkt am Handgelenk getragene Scanner beide Hände für die eigentliche Arbeit freihalten und unnötige Greif- und Wechselbewegungen reduzieren.
Wie groß der Einfluss körperlicher Belastung sein kann, zeigt sich deutlich in Zahlen: Mehr als jeder zweite Beschäftigte ist nach einer durchschnittlichen Schicht stark oder sehr stark erschöpft. Das zeigt der Report „Ergonomische Belastung im Lager“ unseres Partners ProGlove. Er beleuchtet die Ursachen und Folgen ergonomischer Belastung – von den verborgenen Kosten körperlicher Belastung über veraltete Arbeitsmittel bis hin zur Mitarbeiterfluktuation – und zeigt, an welchen Stellen Unternehmen wirksam gegensteuern können.
Ergonomie wird damit nicht nur zu einer Frage des Wohlbefindens, sondern bei Vernachlässigung zu einem Kostenfaktor.
Der Faktor Mensch im Kommissionierprozess
Kommissionierprozesse werden heute bis ins Detail analysiert. Logistikverantwortliche optimieren Laufwege, Lagerstrategien, Software oder Scannertechnik. Jeder einzelne Prozessschritt wird darauf geprüft, ob sich Zeit sparen oder Fehler vermeiden lassen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass all diese Prozesse von Menschen ausgeführt werden. Nicht nur, wie schnell ein Prozess theoretisch abläuft, ist entscheidend – ebenso wichtig ist, ob Mitarbeiter ihn über Wochen, Monate und Jahre zuverlässig ausführen können.
Ergonomische Belastung ist mehr als ein Gesundheitsthema
Beschwerden durch wiederholte Belastungen betreffen zunächst einzelne Mitarbeiter – ihre Auswirkungen reichen jedoch weit darüber hinaus.
Der ProGlove-Report beschreibt ergonomische Belastung als gelebte Realität in vielen Lagern. Sie beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Ermüdung, langfristige Arbeitsfähigkeit und letztlich die Stabilität einer ohnehin zunehmend angespannten Personalsituation.
Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich häufig schleichend:
- Mitarbeiter fallen aufgrund körperlicher Beschwerden aus,
- erfahrene Fachkräfte verlassen das Unternehmen,
- Wissen geht verloren,
- offene Stellen bleiben länger unbesetzt.
Ein Beispiel verdeutlicht diese Dimension:
67 % der Führungskräfte berichten, dass Mitarbeiter innerhalb der vergangenen zwölf Monate aufgrund arbeitsbedingter Schmerzen oder Erschöpfung Schichten versäumt haben.
Die Herausforderung besteht dabei nicht nur in den Beschwerden selbst. Viele Verantwortliche erkennen ergonomische Belastungen erst dann, wenn ihre Folgen bereits sichtbar werden – etwa durch Fehlzeiten, sinkende Leistungsfähigkeit oder erhöhte Fluktuation. Langfristig leistungsfähige Mitarbeiter sind eine zentrale Voraussetzung für stabile Prozesse.
Was Logistiker konkret tun können
Die gute Nachricht: Ergonomische Belastungen lassen sich beeinflussen. Dabei geht es nicht darum, eine einzelne Technologie einzuführen, sondern den gesamten Arbeitsprozess zu betrachten.
Ergonomische Belastung verstehen
Der erste Schritt besteht darin, Belastungen überhaupt sichtbar zu machen. Welche Bewegungen werden täglich tausendfach ausgeführt? Welche Tätigkeiten führen besonders häufig zu Ermüdung? Welche wirtschaftlichen Folgen entstehen daraus? Wer diese Zusammenhänge versteht, kann gezielt gegensteuern.
Ergonomische Belastung besser verstehen
Bewegungsabläufe verbessern
Jeder Mensch bringt eine individuelle Bewegungsstrategie mit – geprägt durch Kraft und Ausdauer, aber auch durch über Jahre eingeübte Bewegungsgewohnheiten. Dieselbe Tätigkeit kann deshalb bei zwei Mitarbeitern zu ganz unterschiedlicher Beanspruchung führen. Schon kleine Veränderungen bei Greifbewegungen oder der Körperhaltung können Belastungen reduzieren.
Videos: Ergonomie im Lager verbessern
Arbeitsmittel passend auswählen
In unserer Projektpraxis beschäftigen sich Verantwortliche aus Industrie und Logistik häufig mit Wearables. Die direkt am Finger oder Handgelenk getragenen Scanner reduzieren Greif- und Ablegevorgänge und halten beide Hände für die eigentliche Tätigkeit frei. Ob sie die richtige Wahl sind, hängt jedoch vom jeweiligen Prozess ab. Es gibt Anwendungen, in denen klassische Handscanner die sinnvollere Lösung bleiben. Deshalb empfehlen wir, verschiedene Scannerlösungen im eigenen Arbeitsumfeld zu testen – gemeinsam mit den Mitarbeitern, die täglich damit arbeiten. Nicht das Gerät entscheidet über den Erfolg, sondern wie gut es den jeweiligen Prozess unterstützt.
Mitarbeiter einbeziehen
Die Menschen, die täglich kommissionieren, kennen die Herausforderungen ihres Arbeitsalltags am besten. Wer sie frühzeitig in Teststellungen und Auswahlprozesse einbindet, erhält nicht nur wertvolles Feedback. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz neuer Arbeitsmittel und Prozesse. Ergonomie entsteht deshalb nicht allein durch Technik. Sie entsteht dort, wo Arbeitsmittel, Prozesse und Menschen zusammenpassen.
Fazit: Produktivität beginnt beim Menschen
Wer Kommissionierung optimieren möchte, denkt meist zuerst an Technik, Software oder Prozesskennzahlen. Diese Faktoren bleiben wichtig. Ebenso wichtig ist jedoch der Blick auf die Menschen, die diese Prozesse täglich ausführen. Denn selbst der effizienteste Prozess verliert an Leistungsfähigkeit, wenn er seine Mitarbeitenden dauerhaft überlastet. Ergonomie ist deshalb kein Selbstzweck und kein reines Arbeitsschutzthema.
Sie ist ein Baustein leistungsfähiger Prozesse. Denn sie kann dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren, Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten und Prozesse stabiler zu gestalten. Die entscheidende Frage lautet daher:
Welche Lösung unterstützt die Menschen, die unseren Prozess täglich erfolgreich machen?

Leistungspotenziale erschließen
Wer Prozesse optimieren möchte, sollte ergonomische Belastungen nicht dem Zufall überlassen. Der ProGlove-Report zeigt, wie sich Risiken frühzeitig erkennen und ungenutzte Leistungspotenziale erschließen lassen.
Ihre Lösung beginnt hier.
Ihre Lösung beginnt hier.
Jeder Kommissionierprozess ist anders. Deshalb empfehlen wir keine Scanner von der Stange. Lassen Sie uns gemeinsam die passende Scannerlösung für Ihren Prozess finden.
Thomas Sterker
Geschäftsführung